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<title>pick-up.feed</title><link>http://pick-up.de/index.html</link><description>pick-up.scrapbook</description><dc:language>de</dc:language><dc:creator>feed@pick-up.de</dc:creator><dc:rights>Copyright 2012 pick-up.media</dc:rights><dc:date>2012-01-27T10:58:48+01:00</dc:date><admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.realmacsoftware.com/" />
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<lastBuildDate>Mo., 30 Mai 2011 15:55:03 +0200</lastBuildDate><item><title>Kaukasus / Armenien: Auf der Haschh&#xf6;he</title><dc:creator>feed@pick-up.de</dc:creator><dc:subject>blog</dc:subject><dc:date>2012-01-27T10:58:48+01:00</dc:date><link>http://pick-up.de/blog/files/608da9c2eafa100dde0b47bf45131b25-2.html#unique-entry-id-2</link><guid isPermaLink="true">http://pick-up.de/blog/files/608da9c2eafa100dde0b47bf45131b25-2.html#unique-entry-id-2</guid><content:encoded><![CDATA[<strong>projekt: diashow kaukasus</strong><br />Lowa, bereits weit in den Siebzigern ist eine Viertelstunde zu fr&uuml;h und klingelt bereits um kurz vor neun auf dem schmuckvoll sowjetischen W&auml;hlscheibentelefon meiner yerevaner Wohnung. Wieder einmal wundere ich mich &uuml;ber die P&uuml;nktlichkeit in einem Land, in dem sonst doch alles so gem&uuml;tlich vonstatten zu gehen scheint. Er ist hochgewachsen, sein wei&szlig;es Haar tr&auml;gt er kurz &uuml;ber dem sonnengebr&auml;unten Gesicht. Wir wollen zum "Karli lich"' einem kleinem See in den H&ouml;hen des Aragats, dem h&ouml;chsten Berg Armeniens, wenige Kilometer nordwestlich von Yerewan. Sein indischer Jeep schn&uuml;rt dem Fu&szlig; des Berges entgegen. Ich genie&szlig;e die Ruhe, die er ausstrahlt. Obwohl er flie&szlig;end russisch spricht, macht er angenehm wenig Gebrauch davon. Er preisst nicht unaufh&ouml;rlich sein Heimatland, sondern w&auml;hlt die Worte mit Bedacht und spricht leise und mit der sonoren Stimme eines Mannes seines Alters. Es fehlt ihm v&ouml;llig der grobe Unterton den ich von vielen Yerewaner Taxichaufeuren her kenne. Ich gebe aber zu das dieser dann doch meist auch zu ihnen pa&szlig;t. Lowa ist ein gl&auml;ubiger Mann und steuert selbstverst&auml;ndlich als erstes eine Kirche an, deren genussvolles Betrachten unabl&auml;ssig f&uuml;r mein weiteres Fortkommen zu sein scheint. Und um diese religi&ouml;se Einheit noch vollkommener zu gestalten, bleibt mir dieses Vergn&uuml;gen ganz alleine vorbehalten. Ich f&uuml;hle mich so gar ein bisschen exklusiv. Sch&ouml;nes Gef&uuml;hl. Lowa parkt den Wagen und setzt sich mit einer Flasche Wasser in den Schatten. Ich stiefele also die Treppen zur Kirche hoch und Erde von einer entgegenkommenden Hochzeitsgesellschaft ausgebremst. H&ouml;flich schiebe ich mich selbst in eine Ecke des Kirchengartens und betrachte das Treiben. Zuerst tummeln sich zwei Blumenkinder am Eingangsportal gefolgt von martialischen kleingewachsenen M&auml;nnern in kunstseidig gl&auml;nzenden Anz&uuml;gen eines in diesen Tagen insolvent gegangenen deutschen Versandhauses. Zu Recht wie ich finde sollten sie ernsthaft ihre 80er-Jahre Stoffballen in den Osten verschoben haben und hier auch noch willige Abnehmer gefunden zu haben. allerlei H&auml;ndys klingeln und nun folgen auch die Damen der Gesellschaft in langen, eleganten tiefdekoltierten Kleidern. Das Versandhaus scheint nur Herrenware in den Kaukasus geschleust zu haben.  <br /><br />Angesichts dieser Erkenntnis will ich dieses famili&auml;re Gro&szlig;ereignis nicht weiter st&ouml;ren und verwehre mich selbst dem Kircheninterieur. Zur&uuml;ck am Auto berichte ich voll Stolz interessante Dinge beobachtet zu haben - und das war nicht einmal gelogen. Lowa l&auml;chelt und startet nicht weiter nachfragend das indische Urviech. Nach einer Stunde Fahrt ver&auml;ndert sich die Landschaft - es wird karger, die Stra&szlig;en kurvenreicher und die mittlerweile. Im Zenit angekommene Sonne verwandelt alles in glei&szlig;endes Licht. Ein Ziegenhirte nebst Herde taucht am Wegesrand auf und veranlasst mich um einen Halt zu bitten. Was f&uuml;r ein Gesicht. Unter der Milit&auml;rkappe ragt eine Nase hervor die die Sonnenabgewandte Seite fast vollst&auml;ndig unter Schatten setzt. Wie gesagt: es herrscht Mittagssonne. Die schwarzen Bartstoppeln auf seiner dunkel gegerbten Haut vervollst&auml;ndigen Bild. F&uuml;r 180 Euro Sal&auml;r im Monat h&uuml;tet er hier Schafe eines Jerevaner Oberhirten, der ihn und einen weiteren Kollegen besch&auml;ftigt. Seine Hunde wirken jung und verspielt, tollen umher, bew&auml;ltigen aber ihre Aufgabe bravor&ouml;s und halten die Ziegenk&ouml;rper auf Kurs auf Kurs. Wir verabschieden uns und kurven weiteren H&ouml;henmetern entgegen. Das Landschaftsbild wird karstiger, die Schlagl&ouml;cher tiefer und am Horizont zeichnet sich das Ziel unserer kleinen Reise ab. Der kleine Bergsee baut sich mit spiegelnden Spitzlichtern auf der Wasseroberfl&auml;che vor uns auf. L&ouml;w parkt den bed&auml;chtig das Auto und wir kehren in ein schmukes, aber einfaches Bergrestaurant auf rund 3.000 Meter Seeh&ouml;he ein. An einem Tisch &uuml;ber dessen h&ouml;lzernen Sonnenschutz bereits die ein und andere Dachlatte fehlt nehmen wir Platz. Die gem&uuml;tlich wirkende Wirtin verhandelt mit Lowa unsere Bestellung und nur wenige Minuten sp&auml;ter schleppt sie ein gro&szlig;es, breites Tablett an unseren Tisch heran. Auf einem Tongef&auml;&szlig; mit L&ouml;chern zur Bel&uuml;ftung der im Inneren befindlichen St&uuml;ckchen gl&uuml;hende Holzkohle thront eine weiter Tonsch&uuml;ssel mit milchig aussehendem Inhalt. Knochen mit wei&szlig;er Fettmasse schwimmen in der Br&uuml;he. Ich folge ohne Widerspruch den Anweisungen von Lowa: salzen zun&auml;chst, bevor wir dann frischen Knoblauch hinzu geben. Einen L&ouml;ffel Suche ich vergebens auf dem Tisch und bin nat&uuml;rlich  gespannt wie diese Suppe wohl zu verspeisen ist. Lowa bemerkt meine fragende Verwunderung und beginnt sogleich trockenes Lawasch in meine Schale zu br&ouml;seln. Lawasch - das Brot der Erde Armeniens - ist ein flacher, nur papierstarker Weizenfladen, der einem im Kaukasus an jeder Ecke begegnet. In die milchige Suppe versenkt, verwandelt er sich in einen s&auml;migen Brei der eben mangels L&ouml;ffel nur eine Variante der zusichnahme zul&auml;sst: Die eigenen Finger. Jawohl genau so Ost es. Das Ganze ist selbstredend durch die Holzkohlenbeheizung recht hei&szlig;, wodurch Eile bei der oralen Zuf&uuml;hrung geboten ist. hat man diese Prozedur relativ kleckerfrei vollzogen, entfaltet sich ein wunderbar weicher und zugleich - durch den Knoblauch - recht scharfer Geschmack der nur zwei Folgerungen zul&auml;sst. Erstens sollte alle Menschen mit denen man an diesem Tag noch Konversation oder gar dar&uuml;ber hinausgehende Intimit&auml;ten austauschen m&ouml;chte, ebenfalls ihre Finger in eine solche Suppe gehabt haben und zweitens erkennt man unverz&uuml;glich das nur der ganze Berg auf dem Tisch stehendem, trockenen Lawasch die Suppe in einen fingerf&auml;higen Brei verwandeln kann, das es eindeutig von Vorteil f&uuml;r die eigene Figur ist, wenn die Finger des Konversationspartners und die eigenen in derselben Sch&uuml;ssel umher fischen. Das ist mir leider nicht verg&ouml;nnt. Ich habe eine ganze Schale ganz f&uuml;r mich alleine, schlage mich aber tapfer - wissend das nach dem Mal auf jeden Fall ein nicht zu klein bemessener klarer Schnaps seinen Weg zu mir finden wird. Lowas g&uuml;tige Blicke n&ouml;tigen mich gl&uuml;cklicherweise nicht das Sch&uuml;sselleeren vollst&auml;ndig zu beenden. Ein kleiner Rest Brei und das weiche Fettgewebe der Knochen d&uuml;rfen zur&uuml;ck bleiben.<br /><br />Ich wei&szlig; aber jetzt: Hasch auf 3.000 Meter H&ouml;he macht in Armenien satt und rund, l&auml;&szlig;t aber den Verstand in Frieden. Wer h&auml;tte das gedacht bei einem Gericht mit diesem Namen.]]></content:encoded></item><item><title>Kaukasus / Armenien: Mein eigener Wasserfall</title><dc:creator>feed@pick-up.de</dc:creator><dc:subject>blog</dc:subject><dc:date>2012-01-27T10:41:18+01:00</dc:date><link>http://pick-up.de/blog/files/72e30d12434dfdd4c49c7773a4191c31-0.html#unique-entry-id-0</link><guid isPermaLink="true">http://pick-up.de/blog/files/72e30d12434dfdd4c49c7773a4191c31-0.html#unique-entry-id-0</guid><content:encoded><![CDATA[<strong>projekt: diashow kaukasus</strong><br />Der Tag lichtet sich &uuml;ber Sisian. &Uuml;ber Nacht hat mich ein geh&ouml;riges Gewitter immer wieder aus dem Schlaf gerissen. Leuchtend helle Blitze verwandelten mein kleines Zimmer immer wieder in den grellen Lichtstrom einer gro&szlig;st&auml;dtischen Diskothek. Mein Blick schweift durch den Raum, verf&auml;ngt sich st&auml;ndig an dem quadratischen Kasten neben der T&uuml;r. Tellergro&szlig; mit regelm&auml;&szlig;igen L&ouml;chern an der Oberfl&auml;che und herrlich kr&auml;ftig orange. Eine Kabelleitung f&uuml;hrt von ihm &uuml;ber die Wand zu einem kleinen Mauerdurchbruch oberhalb des Fensters um von dort nach drau&szlig;en in den Flur zu verschwinden. Ich stelle mir vor, wie eine rauchige, bestimmende Frauenstimme alle Bewohner des Hotels zu einer Art Morgenappell beordert deren Nichtbeachtung eine Sanktionierung im Fr&uuml;hst&uuml;cksraum unweigerlich nach sich zieht. Die Stimme aber ert&ouml;nt nicht und der orangene Kasten verharrt stumm an der Wand. Meine Hoffnungen hotelinterner fernsprachlicher Unwetterwarnungen richten sich daher auf das gr&uuml;ne Telefon in kantiger Form neben meinem Bett. Es verf&uuml;gt ausschlie&szlig;lich &uuml;ber einer quer aufliegenden H&ouml;rer. Eine W&auml;hlscheibe oder gar ein Tastenfeld fehlt hingegen v&ouml;llig. In den schmalen Postenh&auml;uschen &nbsp; an der Deutsch-Deutschen-Grenze standen auch immer solche Einbandstra&szlig;enfernprecher. W&auml;hrend meiner damaligen Grenz&uuml;bertritte klingelten Sie aber nie und auch dieser kaukasische Bruderapparat bricht nicht mit dieser Tradition. Zu gerne h&auml;tte ich einmal den H&ouml;rer abgenommen und Anweisungen meiner Zimmerwirtin entgegengenommen. Leider sind mir diese Ideen grunds&auml;tzlich immer nur w&auml;hrend der Nachstunden gekommen und f&uuml;r derartige Erkl&auml;rungsversuche reicht mein Armenisch bei weitem nicht. Genau genommen verstehe ich von dieser so fremd klingenden Sprache nicht ein einziges Wort. Irgendwann blitzt und donnert es nicht mehr und ich stehe auf. zum Fr&uuml;hst&uuml;ck gibt es Eier mit lustigen kleinen runden Wurstst&uuml;cken darin und Kaffee eines bekannten Schweizer Instandhersteller. Der Tag soll Regen bringen - zumindest exklusiv f&uuml;r mich. Unweit meiner Herberge, die mich des N&auml;chtens mit so wundervollen Unwettern versorgt hat, st&uuml;rzt das Wasser des Vorotan &uuml;ber felsigen Grund in die Tiefe. Eigentlich nichts besonderes, hier geschieht das aber so: Nachdem alle Wurstst&uuml;ckchen bedeckten Eier verputzt sind, fahre ich mit Garik nach Shaki, nur wenige Kilometer entfernt in Richtung karabachischer Grenze. Die Fahrt ist kurz und bietet au&szlig;er einem kleinen rundlichen Polizisten, den Grarik nach dem rechten Weg fragt und der uns in seiner gestenreichen Erkl&auml;rung in zwei grundverschiedene Himmelsrichtungen schickt nichts weiter spektakul&auml;reres. Aber wir kommen dennoch an. Der Weg zum schaltbaren Wasserfall endet an einem Gitterzaun mit einem so imposanten Vorh&auml;ngeschloss, da&szlig; ich nicht genau weiss was hier eigentlich was zusammenh&auml;lt. Wir hupen emsig und werden irgendwann erh&ouml;rt. Zwei jungenhafte Torw&auml;chter stapfen durch das h&uuml;fthohe Gras jenseits des Zaun. Wohlfeil informieren wir &uuml;ber unser Ansinnen und blicken in zwei verneinende Augenpaare. Sogleich beginnt dieses herrliche Austauschen von Pro- und Contraargumenten was ich an Osteuropa einfach unwiderstehlich finde und so sehr liebe. Jedwede Sinnhaftigkeit besteht ausschlie&szlig;lich darin die eigenen Positionen in immer neue Wort- und Satzkonstruktionen zu kleiden ohne auch nur einen Deut von seinem eigentlichen Ziel abzuweichen. Gl&uuml;cklicherweise geschieht&nbsp; die&nbsp; aktuelle Konversation auf Russisch, wodurch ich nicht g&auml;nzlich von ihr ausgeschlossen bin. Zugegeben Irgendwann &auml;ndern Garik und ich einfach so die Strategie und erw&auml;hnen nicht gerade beil&auml;ufig die Frage ob es wohl m&ouml;glich sein soll, da&szlig; ein deutscher Journalist ohne dieses eigent&uuml;mliche Naturschauspiel nach Hause zur&uuml;ckkehren kann. Wenn gar nichts mehr geht, an der Ehre eines Armeniers zu seinem Heimatland f&uuml;hrt kein Weg vorbei: Diskussion schlagartig beendet - Tor auf. Grossartig! Garik parkt den Wagen und wir klettern mit unseren ehrgest&auml;rkten beiden neuen Freunden &uuml;ber ein paar H&uuml;gel zu eine Anh&ouml;he hinauf.<br /><br />Da steht er also vor mir, der wundersamste Wasserfall Armeniens. Mehrere Duzend Meter hoch und knapp doppelt so breit. Das hei&szlig;t eigentlich stehe ich vor einen Felswand und die ist ziemlich trocken. Lediglich im oberen rechten Drittel k&auml;mpft sich eine kleine Wasserader in Richtung Tiefe. Die ehrgest&auml;rkten H&uuml;ter des kostbaren Nass bitten mich Platz zu nehmen. Folgsam suche ich mir einen kleinen Felsen und bringe mich in Position. Einige Meter werde ich noch zur&uuml;ckbeordert und dann verschwinden die beiden sekundenschnell. Auch Garik ist nicht mehr zu sehen und ich hocke mutterseelenallein auf einem Stein irgendwo im Nirgendwo. Gespannt blicke ich auf das herab tr&ouml;pfelnde Rinnsal. Sekunden bevor ich meine kurzfristige &Uuml;berlegung, mich hier eventuell doch h&auml;uslich nieder zu lassen in die Tat umsetzen kann beginnt die Wassershow. Erst in der Mitte des Massivs, dann &uuml;ber seine ganze Breite bricht das Wasser &uuml;ber die Kuppe in die Tiefe. Laut, brachial einer Naturgewalt geb&uuml;hrend tost es mir um die Ohren. Mir bleibt nur eine Wahl: In Erinnerung des Traurig tr&ouml;pfelnden Duschm&ouml;glichkeiten im Haus der gr&uuml;nen Telefonapparate st&uuml;rze ich mich freudig fr&ouml;hlich in das feuchte Vergn&uuml;gen. Eine Herrlichkeit die kein Ende nehmen mag. Schlie&szlig;lich beende ich mit R&uuml;cksicht auf meine K&ouml;rpertemperatur das bergische Bad und klettere wieder ins Trockene. Am erneut wieder verschlossenen Tor treffe ich die beiden W&auml;chter wieder, werde hinausgelassen und wei&szlig; nun auch endlich was es mit dem Wasserfall von Shaki auf sich hat:&nbsp;<br /><br />Genaugenommen haben die beiden f&uuml;r mich nicht an- sondern eher abgestellt. N&auml;mlich die Turbinen des lokalen Kraftwerks die sonst von der Naturgewalt gespeist und angetrieben werden. Dankend und geduscht steige ich, um eine kaukasische Attraktion reicher ins Auto und brause davon.]]></content:encoded></item></channel>
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